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Mobile Hürden

Sämtliche Statistiken der letzten Jahre zeigen einen deutlichen Trend: Die westliche Welt wird immer mobiler. Der ortsunabhängige Zugang zu Informationen verändert die Gesellschaft. Wissen ist nicht mehr so wichtig wie früher, da man jederzeit und überall offene Fragen mit Hilfe seines mobilen Endgeräts beantworten kann. Man hat den Einkaufszettel nicht mehr im Kopf, braucht sich keine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer mehr zu merken und keine Straßenkarten mehr zu kaufen. Diese Entwicklung verändert die Art des Lehrens in der Schule, die Flexibilität jedes einzelnen und schafft im Gegenzug neue Probleme. Statt einer Erleichterung des Alltags kann sie zur Belastung werden, wenn man immer und überall erreichbar ist. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Durch den anhaltenden Preisverfall bei brauchbaren Smartphones und immer günstiger werdenden Internetflatrates, ist der Zugang zum mobilen Netz einfach wie nie zuvor. Natürlich sind wir in Deutschland noch weit entfernt von estnischen Zuständen, das weiß jeder, der auf dem Land wohnt, in der Regionalbahn surfen will oder in der U-Bahn mal eben die Mails abrufen möchte. Aber mit dem Ausbau von LTE und dem Umdenken von Politik hinsichtlich einer Bereitstellung von kostenfreien Zugängen sind wir auf einem guten Weg. Jahrelang wurde in jedem Servicemagazin aufgeklärt, wie man WLAN-Zugänge absichert und welche gesetzlichen Strafen einem drohen, wenn “böse Hacker” sich über den eigenen ungesicherten Zugang illegale Daten herunterladen. Auch wenn die Angst vor Missbrauch  in Deutschland weiterhin hoch wie nirgends sonst auf der Welt ist (Reisende werden mir zustimmen), es tut sich etwas. Das Internet gehört allen und niemandem, sicherlich hat auch die Piratenpartei ihren Anteil an diesem Umdenken.

Von Seiten der Provider und Endgerätehersteller wird also viel getan, um dem Menschen einen orts- und zeitunabhängigen Zugang zu Informationen zu ermöglichen. Aber wie sieht es auf der Seite der Informationsinhaber aus? Sind die Verlagshäuser mobil? Haben alle namenhaften Unternehmen eine App? Und wo liegen die Tücken und Hürden dieser Entwicklung? Ich möchte im folgenden auf ein paar “Undinge” aufmerksam machen, die mir bei der täglichen Nutzung in der mobilen Welt aufgefallen sind. Diese Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig und die Beispiele sind vollkommen subjektiv zusammengesammelt. Dennoch lassen sich Trends erkennen und Probleme aufzeigen.

Eigentlich sollte das Thema Responsive Webdesign eine Selbstverständlichkeit sein. Man gibt in sein mobiles Endgerät die URL einer Website ein und wird automatisch an die für das Endgerät optimierte Version der Website weitergeleitet. Leider Pustekuchen. Es gibt ausgewählte Anbieter, bei denen eine Weiterleitung funktioniert (z.B. bild.de, stern.de, facebook.de), aber nur wenige Anbieter lösen diese Weiterleitung richtig smart. Denn möglicherweise möchte der User ja gar nicht auf die mobile Seite gelangen. Durch eine Vorschaltseite oder ein PopUp kann der User informiert werden, dass sein Endgerät erkannt wurde und er jetzt entscheiden kann, ob er die App herunterladen will, die mobile oder die vollständige Website des Anbieters öffnen möchte (siehe heise.de oder androidpit.de). Idealerweise kann diese Einstellung auch gespeichert werden und muss somit nur beim ersten Besuch vorgemerkt werden. So muss der User nicht erst auf der mobilen Seite den Backlink zur vollständigen Seite suchen (meistens ganz unten) oder in den Browseroptionen den Aufruf der vollständigen Seite erzwingen.

Nun ist die Vorschaltseite oder der direkte Switch auf die mobile Seite ja eine feine Idee, aber auch hier liegt der Teufel häufig im Detail. Hin und wieder kommt es vor, dass Links zu einem Nachrichtenartikel nicht den Artikel öffnen, sondern die Startseite des Anbieters oder eine Fehlermeldung. Das Problem ist, dass die Erkennung des mobilen Endgeräts und das damit verbundene Umschalten auf die mobile Website den Deeplink zerstört. Man landet auf der (mobilen) Startseite oder auf einer 404-Fehlerseite. Somit ist der Link, den man per Mail bekommt, per Smartphone nicht zu öffnen.

Ein weiteres Problem ist die nicht stringente Handhabung hinsichtlich mobiler Subdomain. Das Problem der fehlenden Weiterleitung könnte man ja einfach vermeiden, wenn man statt eines www. einfach ein m. vor die URL der Website eingibt (auch wenn www. in keinem Browser mehr zwangsläufig verlangt wird). Aber selbst diese Version funktioniert nicht immer. Zwar scheint sich m. als Subdomain für die mobile Website immer weiter durchzusetzen, aber es existieren auch noch genügend Beispiele, bei denen die mobile Version (auch oder nur) unter wap.xyz.de, mobil.xyz.de, mobile.xyz.de oder gar www.xyz.mobi zu erreichen sind. Ebenfalls unvorteilhaft ist es, wenn ein Aufruf von www.xyz.de auf die mobile Website umleitet, eine explizite Eingabe von  m.xyz.de allerdings nicht (zum Beispiel m.t3n.de oder m.ebay.de). So kann ein User weder davon ausgehen, dass ihn ein m. auf die mobile Website leitet, noch dass sein mobiles Endgerät bei direktem Aufruf der URL automatisch erkannt wird. Es muss also probiert, geraten oder mit Lesezeichen gearbeitet werden.

Noch schlimmer wird es jedoch, wenn selbst Mitte 2012 keine mobile Website eines Anbieters existiert. Über das Design beim Relaunch von 11freunde.de kann man ausführlich streiten, aber diese Website mobil zu konsumieren war bis vor kurzem eine echte Qual und nahezu unmöglich. Mehrere Ebenen flackern beim Scrollen zwischen Vordergrund und Hintergrund, mobile Optimierung Fehlanzeige. Wie man eine Website heutzutage relauncht, scheinbar ohne sie sich einmal am mobilen Endgerät angesehen zu haben, bleibt mir ein Rätsel. Zum Glück gibt es seit kurzem einige optische Optimierungen und nun auch endlich eine mobile Seite. Die Proteste der User konnten die Macher sicherlich zum Umdenken bewegen. Aber auch namenhafte Publikationen wie taz.de oder gala.de haben noch kein mobile Website.

Ganz schlimm wird es natürlich, wenn eine Webapplikation Flash (geht bei iOS bekanntlich nicht), Drag&Drop oder Mouse-Over verlangt. So kann man viele Unternavigationspunkte mit dem Smartphone oder Tablet gar nicht aufrufen, weil die Menuleiste nicht aufgeklappt werden kann oder komplette Seiten auf dem iPhone nicht angezeigt werden. Paradebeispiel für eine längst überfällige mobile Version (meinetwegen auch App) ist das Kicker Managerspiel. Über 300.000 User waren bei dem kultigen Fußballmanager in den unterschiedlichen Ligen in der letzten Saison aktiv. Leider kann der Kader nur konfiguriert werden, indem man die Spielerprofile mit der Maus auf die entsprechenden Felder zieht. Eine Funktion, die bei Geräten mit Touch-Oberfläche (Smartphone, Tablet, iPad etc.) nicht vorgesehen ist. Das bedeutet, dass die Mannschaftsaufstellung nur an einem herkömmlichen Deskop oder Laptop geändert werden kann. Mobilität ist dabei nicht vorhanden.

Viele Unternehmen glauben, den neuen Zugangsmöglichkeiten zum Netz durch Apps gerecht zu werden. Dabei finde ich persönlicher eine gute mobile Website wesentlich wichtiger als eine App, denn meine Bookmarks surfe ich in einem Browser ab und habe keine Lust, für jede Quelle eine eigene App zu öffnen. Zudem verärgert mich die häufige Herangehensweise, erstmal eine iOS-App zu bauen, und irgendwann (oder vielleicht auch nie) eine Android-App hinterherzuschieben. Und dies, obwohl Android klarer Marktführer hinsichtlich mobiler Betriebssysteme ist. Die Gerätevielfalt bei Android ist sicherlich die größte Hürde, es sind viele Anpassungen notwendig. Aber auch die Kostenlosmentalität bei Googles Betriebssystem schreckt viele Unternehmen ab. Eine Refinanzierung über Apple ist wesentlich einfacher, weil dort User bereitwilliger sind, 0,79€ oder mehr zu bezahlen, bei Android sind viele Apps hingegen kostenlos. So gibt es zum Beispiel die 11Freunde-App oder das Sport Bild Bundesliga-Quiz zwar für iOS, jedoch nicht für Android.

Was vielen Anbietern also fehlt, ist das Thema Responsive Webdesign richtig zu bedienen. Die Welt wird mobiler, die Anzahl an Endgeräten mit Internetzugang täglich größer. Darauf müssen sich viele erst einstellen. Mit einer mobilen Website oder einer iOS-App ist es nicht getan. Es gibt zum Glück genügend Technologien (z.B. jquery), die eine automatischen Anpassung der Inhalte auf das jeweilige Endgeräte vornehmen. Sehr schöne Beispiele sind dabei CitizenMag, Pinterest oder das WordPress-Template Waipoua. Verkleinert man das Browserfenster oder kippt das Tablet von horitonzal auf vertikal, die Website passt Texte und Bilder automatisch an. An solchen Websites können sich die großen Inhalteanbieter eine Scheibe abschneiden.